Automatisierung vs. Augmentierung im Marketing lokaler Unternehmen
Anfang der 2000er-Jahre hatten Verbraucher bei der Suche nach neuen Unternehmen noch wenig Auswahl. Klassische Werbemittel wie Flyer, Plakate, Plakatwände und TV-Spots waren die tragenden Säulen des lokalen Marketings. Gelbe Seiten, Google und Mundpropaganda erledigten den Rest, um Unternehmen ins Blickfeld potenzieller Kunden zu rücken.
20 Jahre später entdecken Konsumenten Unternehmen über Apps, Sprachsuche, vernetzte Autos und Smart Speaker – um nur einige Beispiele zu nennen. Das Suchverhalten hat sich grundlegend gewandelt, und das Smartphone steht als wichtigste Informationsquelle über lokale Geschäfte unangefochten an der Spitze. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Weltbevölkerung um über 1,5 Milliarden Menschen gewachsen, das weltweite BIP hat sich nahezu verdreifacht und Informationen lassen sich über tausende neue Medienkanäle und Endgeräte abrufen (falls Sie sich fragen, was das mit Automatisierung oder Augmentierung zu tun hat: genau dazu kommen wir jetzt).
Für Unternehmen bedeutet das eine neue Herausforderung: Sie müssen Inhalte, Daten und ihr gesamtes Local Marketing über all diese digitalen Touchpoints hinweg koordinieren. Verbraucher wählen heute aus hunderten Kontaktpunkten. Was früher reine Push-Kommunikation war, verlagert sich zunehmend zu Pull-Marketing: Die konkrete Suchintention entlang des Funnels entscheidet darüber, welcher Anbieter den Zuschlag erhält. Wer heute nach einem Restaurant sucht, fragt Google per Voice Search direkt nach dem nächsten Burger-Laden oder filtert auf Yelp gezielt nach Sternen, Bewertungen, Entfernung und Preisniveau, bevor eine Entscheidung fällt.
Mit anderen Worten: Unternehmen müssen einen Weg finden, ihre Marke an all diesen Touchpoints lokal zu vermarkten – rein manuell ist das jedoch kaum zu bewältigen. Ein Unternehmen mit tausend Standorten weltweit kann lokale Inhalte und Daten schlichtweg nicht mehr von Hand auf allen Plattformen pflegen. Welche Optionen bleiben in dieser Situation?
Hier kommen Automatisierung und Augmentierung ins Spiel
Glücklicherweise zieht die Technologie endlich mit. Lokale Unternehmen haben vor fünfzehn Jahren schmerzhaft miterlebt, wie der Online-Handel – allen voran Amazon – ihnen Marktanteile abnahm. Heute entwickelt sich die Technologie für Local Marketing im gleichen Tempo wie das Suchverhalten der Nutzer. Das ermöglicht es uns, die Verteilung und Verwaltung lokaler Inhalte über tausende Plattformen hinweg automatisiert und skalierbar zu steuern.
Die Nachfrage nach KI-Lösungen im Local Marketing besteht schon lange, doch erst jetzt steht die passende Technologie auch in der Breite zur Verfügung. Gleichzeitig möchten Unternehmen die Kontrolle darüber behalten, was die KI in ihrem Namen tut. Reine Schwarz-Weiß-Lösungen – vollautomatisch oder rein manuell – greifen im modernen Local Marketing deshalb zu kurz.
Doch wie lassen sich manuelle, automatisierte und augmentierte Prozesse überhaupt voneinander abgrenzen?
Ein manueller Prozess erfordert vollen menschlichen Einsatz: Ein schrittweiser Ablauf, der komplett ohne KI-Unterstützung abgewickelt wird.
Ein automatisierter Prozess übernimmt die gesamte Kontrolle: Sowohl die operative Umsetzung als auch die Entscheidungsfindung laufen ohne menschliches Eingreifen ab.
Ein augmentierter Prozess lässt sich am besten als „assistierter Betrieb“ beschreiben: Wir nutzen operative Unterstützung durch KI, behalten aber die volle Entscheidungsgewalt. Der Prozess wird geführt und gezielt durch smarte Technologie verstärkt.
Betrachten wir das autonome Fahren: Bei selbstfahrenden Autos basiert die Steuerung auf fest definierten Regeln und Datenpunkten im Hintergrund – von digitalen Karten über Objekterkennung bis hin zu Sensoren. Dennoch bleibt die Möglichkeit essenziell, dass der Mensch im Notfall oder bei grundlegenden Entscheidungen manuell eingreifen kann, etwa um das Fahrtziel spontan zu ändern.
Wie lässt sich dieses Prinzip auf Marken und ihr Local Marketing übertragen? Ein anschauliches Szenario ist die zielgerichtete Ansprache basierend auf spezifischen Suchanfragen. Nehmen wir an, ich suche als Konsument nach einem Restaurant in meiner Nähe. Ich bevorzuge Lokale, die genau meinen Geschmack treffen und meine Lieblingsküche servieren. Wie kann ein Unternehmen KI nutzen, um mir genau in diesem Moment das passende Angebot zu präsentieren?
Automatisiert vs. augmentiert: Wofür sollten Sie sich entscheiden?
Letztlich bleibt das übergeordnete Ziel dasselbe – ganz gleich, welches Prozessmodell Unternehmen bevorzugen: Technologie muss die verschiedenen Datenpunkte im Local Marketing zusammenführen und nutzbar machen, um die lokale Sichtbarkeit kontinuierlich zu steigern.
Unternehmen müssen das Suchverhalten ihrer Zielgruppe in Echtzeit analysieren, verwertbare Erkenntnisse daraus ableiten und die öffentlich sichtbaren Markeninformationen entsprechend anpassen. Es geht darum, Daten zu sammeln, Muster zu erkennen und auf Basis intelligenter Analysen präzise Optimierungen vorzunehmen. Denn genau diese Leistung entscheidet am Ende über den geschäftlichen Erfolg.
Diese Insights liefern Antworten auf entscheidende Fragen: Welche Inhalte erzielen die beste Wirkung? Welche Bilder beeinflussen Kaufentscheidungen am stärksten? Wie viele der erreichten Nutzer haben das Produkt oder den Service anschließend tatsächlich vor Ort gekauft? Eine durchdachte Multi-Channel-Strategie behält das große Ganze im Blick – egal, ob eine Anfrage über Facebook, Alexa oder das Navigationssystem im Auto erfolgt.
Sobald diese Erkenntnisse vorliegen, entscheiden Sie selbst: Wollen Sie die Kundenansprache vollautomatisch ausspielen oder den Prozess augmentieren, sodass Ihr Team Kampagnen gezielt per Klick freigibt? Die Antwort hängt immer von der Art der jeweiligen Aufgabe ab.
Beim Verfassen von Antworten auf Bewertungen können Unternehmen beispielsweise einen vollautomatischen Workflow aufsetzen, der bei 1-Stern-Bewertungen eine standardisierte Entschuldigung sendet und sich für 5 Sterne herzlich bedankt. Bei einer 3-Sterne-Bewertung bietet sich hingegen ein augmentierter Prozess an: Das System analysiert das Sentiment und schlägt dem Marketing-Team verschiedene Antwortoptionen vor, sodass die finale Freigabe weiterhin in menschlicher Hand liegt.
Wer diese beiden Ansätze gezielt kombiniert und flexibel einsetzt, verschafft sich im lokalen Wettbewerb den entscheidenden Vorsprung.